Fachtag „Mit Demenz in Würde leben“ mit über 150 Teilnehmenden

Am 27.02.2020 fand in der Evangelischen Hochschule Darmstadt ein großer Fachtag statt zum Thema „Mit Demenz in Würde leben – Wege in Zeiten des Fachkräftemangels“, organisiert und vorbereitet vom DemenzForum.
Der Hauptvortrag von Erich Schützendorf/Krefeld stieß bei den über 150 Teilnehmenden auf begeisterten Zuspruch, wobei Schützendorf die Pflege-Szene durchaus provozierte, allerdings freundlich-charmant. Am Nachmittag gab es in fünf Fachforen angeregte Diskussionen und viele neue Kontakte
. Die Professorin der Evang. Hochschule Prof. Dr. Gabriele Kleiner, die kenntnisreich durch das Programm führte, stellte in Aussicht, dass in zwei Jahren der nächste Fachtag stattfindet.

Die Idee eines Fachtags war vom DemenzForum entwickelt worden. Die Vorsitzende des DemenzForums sagte in ihrer Einführung: „Es gibt viele Schulungen im Bereich Demenz über den praktischen Umgang mit der Erkrankung: Schulungen zur Kommunikation, zum Umgang mit herausforderndem Verhalten, Validation, Beschäftigung mit Männern usw. Es gibt nur wenig gemeinsames Nachdenken über Perspektiven. Dem wollen wir hier Rechnung tragen.“ Die Ausgangssituation für Familien mit Demenz, so beschreibt es das Demenzforum aus eigenen Erfahrungen, wird schwieriger. In den aktuellen Zeiten des Fachkräftemangels fehlt Personal nicht nur in der stationären Altenpflege, auch die ambulante Infrastruktur bricht in der Versorgung von Familien mit Demenz ein. Pflegeverträge werden gekündigt, Familien mit Demenz mit sog. „schwierigen“ Menschen mit Demenz finden oft keine professionelle Unterstützung mehr. Wer mutet seinen Arbeitskräften den anstrengenden Umgang mit Menschen mit Demenz zu, wenn die Auftragsbücher voll sind?

Der 70jährige Hauptreferent Erich Schützendorf stellte sich in seinem Vortrag zunächst vor, wie es sein könnte, „die Seiten zu wechseln“ und woran ihm dann besonders liegen würde. Was also braucht der Einzelne zur Wahrung seiner Würde? Schützendorf provozierte die Pflegeprofis, als er für sich feststellte, dass er auf keinen Fall aktiviert werden wolle. Es sei ihm zwar klar, dass die Wissenschaft für ein gesundes Altern viel Bewegung und viele Aktivitäten vorsehe, er könne sich aber für sich selbst gut vorstellen, dass er lieber aus dem Fenster schauen würde als bei Märchen-Gruppen oder beim Sitz-Tanz mitzumachen. Deutlich wurde dabei aber auch, dass es bei der Wahrung der Würde immer auch darum geht, Zeit und Raum für Individualität zu haben.

Unterbrochen wurde der Schützendorf-Vortrag durch Gesangseinlagen der 5köpfigen A-Cappella-Gruppe „Die Praktikanten“. Die fünf Herren setzten mit „Drunten im Tale“ oder „Ein Freund, ein guter Freund“ echte Glanzpunkte und sorgten dafür, dass für die Zuhörer an diesem Vormittag nicht nur der Kopf gefordert war, sondern auch das Gefühl – passend zum Thema Demenz. Denn auch wenn die kognitiven Leistungen in der Demenz allmählich zurückgehen – das Gefühl und die musikalischen Fähigkeiten bleiben lange erhalten.

Nach dem Mittagsimbiss verteilten sich die 150 Teilnehmenden auf insgesamt 5 Fachforen, in denen nach einem kurzen Input der Austausch miteinander im Vordergrund stand:

  1. Palliative Begleitung von Menschen mit Demenz in den letzten Phasen des Lebens
  2. Das Heim als gute Lösung für Menschen mit Demenz?
  3. Menschen mit Demenz zwischen Fürsorge und Selbstbestimmung — der Werdenfelser Weg
  4. Zu Hause wohnen mit Demenz! Wie gelingt ambulante Pflege?
  5. Mit Demenz im Stadtteil bleiben können

Die Eindrücke aus den Fachforen machten klar, dass es im täglichen Umgang mit Menschen mit Demenz oft um Grenzsituationen geht, die konkret verhandelt werden müssen: Wann beschließt man z. B., einen Menschen mit Demenz auch gegen seinen Willen zu waschen? Darf man mit „List und Tücke“ arbeiten, wenn jemand seine Tabletten nicht nehmen will (Schützendorf fand: Ja!)? Wie lange lässt man jemanden im Flur am Handlauf allein auf und ab gehen, wann greift man ein?
Als eine Lösung war eine Ethik-Kommission ins Gespräch gebracht worden, in der regelmäßig solche Grenzsituationen mit professionell Pflegenden, aber auch mit Angehörigen besprochen werden. Das Problem: Allgemeingültige Lösungen könne es in solchen Fällen praktisch nicht geben; jeder Einzelfall sei anders.

Menschen mit Demenz brauchen Zeit, Geduld, direkte Kontakte und möglichst wenig Druck. Sie stehen mit diesen Bedürfnissen deutlich im Widerspruch zu unserer auf Effektivität, Tempo und Leistung gedrillten Gesellschaft. Aber sie legen damit auch den Finger in eine Wunde unseres gesellschaftlichen Miteinanders. Klar wurde am Schluss des Fachtags, welch hohen Handlungs- und Gesprächsbedarf es in Sachen Demenz weiterhin gibt. Moderatorin Gabriele Kleiner stellte denn auch einen nächsten Fachtag in zwei Jahren in Aussicht. BH

Großer Fachtag Demenz

Trotz vielfältiger Angebote gibt es in Südhessen bislang kaum Versuche, die konzeptionelle und sozialpolitische Diskussion zum Thema Demenz zusammen zu binden und mögliche Perspektiven zu erarbeiten. Dabei ist das nötiger denn je!
Wir wollen mit diesem Fachtag:

  • Impulse geben

  • neuen Ideen Raum geben

  • den fachlichen Austausch fördern

  • Mut machen.

Die vollständige Ausschreibung mit dem genauem Programm finden Sie hier. 
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